Brustkrebs: Welche Vorsorge ist sinnvoll?

03.05.2018, Klinikum Kaufbeuren
Mammografie, Ultraschalluntersuchung oder gar Kernspin? Brustkrebsspezialistin Dr. med. Marianne Mayer empfiehlt individuelles Vorgehen

Mit bundesweit rund 70.000 Neuerkrankungen im Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Viele Frauen fürchten sich vor dieser Diagnose. Doch längst stehen die Heilungschancen für an Brustkrebs erkrankte Frauen sehr gut.  Die Chefärztin der Frauenklinik Kaufbeuren und Leiterin des dortigen zertifizierten Brustkrebszentrums, Dr. med. Marianne Mayer, beruhigt: „Wird der Tumor frühzeitig entdeckt und ist dementsprechend klein, so gibt es eine Heilungschance von über 90 Prozent!“. Deshalb rät Mayer allen Frauen unbedingt zu regelmäßigen Untersuchungen zur Früherkennung. Doch welche Untersuchung ist die richtige? „Nicht jede Methode ist für jede Frau und jedes Brustgewebe gleich gut geeignet“, erklärt Mayer.

Strahlenbelastung durch Mammografie

Weil die Brustkrebshäufigkeit ab dem 50. Lebensjahr deutlich zunimmt, wird jede Frau ab 50 und bis 69 automatisch alle zwei Jahre zum kostenlosen Mammografie-Screening eingeladen. Dieses Alter gilt als Hauptrisikospanne für Brustkrebs. Doch es gibt viele Für und Wider zum Thema Mammografie. „Man muss wissen, dass man sich einer Strahlenbelastung aussetzt“, klärt Mayer auf. Davor hätten viele Frauen Angst. Allerdings reagiere ab 50 das Brustgewebe nicht mehr so empfindlich auf Strahlen. Und man dürfe nicht unterschätzen, dass  es aufgrund der Reihenuntersuchungen rund 20 Prozent mehr Entdeckung gebe, wie eine aktuelle kanadische Studie zeige, informiert die Brustkrebsexpertin.  Leider komme es aber auch zu rund 10 Prozent falsch-positiven Befunden, die nicht nur die Frauen erstmal in Angst versetzen, sondern auch weitere, mitunter invasive Untersuchungen nach sich ziehen. „Andererseits sieht man wiederum längst nicht jeden Tumor bei der Mammografie“, informiert Mayer. Dies hänge von der Beschaffenheit des Brustgewebes ab, das in vier Dichtegrade eingeteilt (ACR) wird. Je höher die Brustdichte, desto weniger könne man mithilfe der Mammografie entdecken, gibt die Frauenärztin zu bedenken. Rund 10 Prozent der Befunde sind deshalb falsch-negativ. „Diese Frauen wiegen sich in Sicherheit, obwohl sie an Brustkrebs erkrankt sind“, so Mayer.  Insgesamt doch eine Reihe von Gründen, die dazu führen, dass sich nur rund 55 Prozent  aller Frauen für das kostenlose Mammografie-Screening entscheiden.  Deshalb diskutieren Experten derzeit eine jeweils individuelle Mammografie-Empfehlung.

Ultraschall – eine Alternative?

Eine gute Alternative zur Mammografie, insbesondere bei sehr dichtem Brustgewebe, ist die Ultraschalluntersuchung.  Sie macht keine Strahlenbelastung und wird als sehr viel angenehmer empfunden, als die Mammografie, die doch viele Frauen als schmerzhaft beschreiben. Die Ultraschalluntersuchung wird jedoch nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. „Bei der Ultraschalluntersuchung sieht man schon sehr kleine Tumoren ab einer Größe von 3 bis 4 mm“, erläutert Mayer. Alles darunter sowie Mikrokalk könne man leider nicht erkennen. Und die Verlässlichkeit des Untersuchungsergebnisses hänge auch ein wenig von der genauen Durchführung ab: „Bei einer großen Brust muss man sehr darauf achten, dass alle Bereiche einbezogen werden und die Untersuchung dauert dann schon mal eine halbe Stunde“, weiß Mayer. Zeit, die im hektischen Praxisalltag nicht immer zur Verfügung stehe.  Dennoch würde sich Mayer wünschen, dass die Ultraschalluntersuchung regelhaft und kostenfrei bei jeder Frau ab 40 im Rahmen der Krebsvorsorge durchgeführt würde.

Kernspin in Ausnahmefällen

Und dann gibt es da noch die Kernspin-Untersuchung. „Für die Kernspin-Empfehlung gibt es eine ganz strenge Indikationsstellung“, erläutert Mayer. Sie würde nur gemacht, bei Frauen mit verdächtigem Knoten in der Achselhöhle, wo mithilfe der anderen beiden Methoden kein Tumor gefunden werden konnte. Eine weitere Indikation stellt die Nachsorge dar, bei Frauen, deren Ersttumor schlecht auffindbar war. Mayer sagt: „Mit dem Kernspin sieht man wirklich alles“. Das heißt aber auch, man bekommt viele falsch-positiven Befunde, die wiederum viele unnötige Untersuchungen nach sich ziehen, verbunden mit viel psychologischem Stress für die Frauen.

Selbstbeobachtung ist wichtig

Die Leiterin des Kaufbeurer Brustkrebszentrums hat deshalb eine klare Empfehlung für Frauen zur Früherkennung von Brustkrebs: „Ich rate, mit 50 Jahren eine Basismammografie, unter anderem auch zur Feststellung der Brustdichte, durchführen zu lassen und dann abhängig vom Ergebnis das künftige Vorgehen mit dem Frauenarzt zu besprechen.“ Wichtig erscheint Mayer vor allem die Selbstbeobachtung  im Spiegel: „Man kann täglich schauen, ob die Brust unverändert ist oder ob es beim Heben und Senken der Arme Einziehungen oder Dellen gibt“ rät Mayer. Eine Selbstuntersuchung, sprich Tastuntersuchung, der Brust hält die Chefärztin für schwierig. „Viele Frauen haben ein unregelmäßiges Brustgewebe“, erklärt Mayer, was schnell zu Verunsicherung führe. Und auch vor oder während der Periode mache das Abtasten der Brust keinen Sinn. Diese Ergebnisse seien generell nicht verwertbar.

Mayers Fazit: „Man soll sich nicht verrückt machen. Regelmäßige  Selbstbeobachtung im Spiegel und einmal jährlich zur Krebsvorsorge beim Frauenarzt, wenn finanziell möglich mit Ultraschalluntersuchung der Brust!“ Damit sei man auf der sicheren Seite.

Behandlung mit Empathie für die Frauen

Doch was, wenn der Fall des Falles eintritt und es wird ein Knoten entdeckt?  „Das ist definitiv immer erst einmal ein Schock “, weiß Mayer aus ihrer langjährigen Erfahrung. Sie empfiehlt betroffenen Frauen, sich unbedingt in ein für die Behandlung von Brustkrebs spezialisiertes und von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Zentrum zu begeben. Hier finden die Patienten eine medizinische Versorgung, die sich immer an den international aktuells­ten Behandlungsmethoden orientiert. Außerdem garantiert die Behandlung in einem Brustkrebszentrum  eine  hochqualifizierte Rundumversor­gung durch ein interdisziplinä­res Expertenteam, das nach strengen Qualitätsleitlinien behandelt und immer eine individuell auf jede Patientin zugeschnittene Therapie ent­wickelt. „Und man sollte sich die Brust nur von Ärzten operieren lassen, die darin Erfahrung  und eine überprüfte OP-Qualität garantieren können“, rät Mayer. Mit guten Operateuren könne in den meisten Fällen die erkrankte Brust auch erhalten bleiben. Ein Thema, das der Frauenärztin ganz besonders am Herzen liegt: „Bei uns im Brustkrebszentrum Kaufbeuren liegt die Rate der brusterhaltenden Operationen weit über dem Bundesdurchschnitt bei 85 Prozent“, informiert Mayer. Sei der Tumor frühzeitig entdeckt worden oder noch sehr klein, so könne die Brust sogar in rund 95 Prozent der Operationen erhalten werden. Dazu die erfahrene Operateurin: „Wenn mir eine 80jährige Frau sagt, sie geht noch regelmäßig in die Sauna und würde sich halt sehr wünschen, dass sie auch nach der Operation noch einen intakten Körper hat und nicht jeder sofort über ihre Erkrankung Bescheid weiß, dann tue ich selbstverständlich mein Möglichstes, um auch bei dieser Frau die Brust zu erhalten.“

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